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Beruf & Weiterbildung

Wie gefragt sind Anschreiben noch?

Bewerbungsanschreiben haben einen schweren Stand: Nicht jeder Arbeitgeber verlangt ein solches

Anschreiben ja oder nein? Viele Arbeitgeber halten es für nicht mehr zeitgemäß. Foto: Unsplash/Christin Hume

7.02.2022

Hallo, guten tag hiermit bewerbe ich mich :) mfg“. Für das Teilen dieses Bewerbungstexts auf Linkedin erhielt Daniel Merkel, Inhaber einer Werbeagentur, viel Aufmerksamkeit. Dem Posting zufolge war das knappe „Anschreiben“ Teil einer Bewerbung für einen Ausbildungsplatz zum Fachinformatiker.

Unter dem Posting entfaltete sich eine Diskussion, wie wichtig ein klassisches Anschreiben heute überhaupt noch ist. Unabhängig davon, dass Personaler meist eine einwandfreie Rechtschreibung erwarten: Reicht eine lockere Zeile per Mail oder Messenger heute aus? Personal-Experten ordnen ein.

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Das Bewerbungsschreiben hat ausgedient.

Eine klare Meinung hat Inga Dransfeld-Haase, Präsidentin des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM). „Das Bewerbungsanschreiben hat ausgedient.“ Je traditioneller ein Unternehmen eingestellt sei, desto mehr werde daran festgehalten. In ihrem Verband verzichteten jedoch bereits die meisten darauf. Es fehle der Mehrwert für die Auswahl.

Grundsätzlich kommt es Dransfeld-Haase zufolge darauf an, als Bewerberin oder Bewerber einen Weg zu finden, über den „maßgeschneidert herüberkommt, warum ein Unternehmen infrage kommt.“ Das kann auch ein Motivationsschreiben oder ein Bewerbungsvideo sein.

Schon 2017 zeigte eine Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half unter 500 Managern den Trend weg vom klassischen Anschreiben. Gut 60 Prozent der Personalentscheider gaben in der Umfrage an, inzwischen auch Bewerbungen ohne Anschreiben zu akzeptieren. Der größte Kritikpunkt: die mangelnde Aussagekraft.

Das Anschreiben bietet Bild über Persönlichkeit.

Soll das Anschreiben tatsächlich eine Funktion erfüllen und etwa Informationen liefern, die über den Lebenslauf hinausgehen, sind selbst formulierte Sätze wesentlich.

Das Problem: „Viele Leute wissen nicht, worauf es im Anschreiben ankommt“, sagt der Bewerbungscoach und Buchautor Jürgen Hesse. Ein sehr gutes Anschreiben verlange viel Arbeit ab. Es sei der Trailer zum eigentlichen Film und diene dazu, die Neugier zu wecken.

Hesse empfiehlt einen knapp gehaltenen und gut strukturierten Text, der auf eine Seite passt. Unbedingt unterbleiben sollte ein einleitender Satz wie „Hiermit bewerbe ich mich“. Das sei veraltet und lieblos, sagt Hesse.

Ausschlaggebend ist auch die Art des Jobs.

Eine Perspektive für das Anschreiben sieht er dennoch nur in bestimmten Bereichen und Ebenen. Für Jobs im Niedriglohnsektor spiele es keine Rolle mehr, genauso wenig für stark nachgefragte.

Das bestätigt sich auch in der Praxis großer Arbeitgeber. „Wenn es um Jobs mit komplexen Tätigkeiten wie im Vertrieb, Marketing oder der IT geht, erwarten wir im Rahmen der Bewerbung das gesamte Paket“, also ein Anschreiben und Referenzen, sagt zum Beispiel Ralph Wiechers, Executive Vice President People Management & Platforms bei der Deutschen Post DHL Group. Er kümmert sich um Personalthemen.

Anschreiben – ganz einfach per Messenger.

Diesen Überblick liefere zwar bereits der Lebenslauf. Das Anschreiben könne darüber hinaus die persönliche Motivation, Entwicklungsbereitschaft oder den Führungsstil aufzeigen.

Geht es dagegen um Zustelltätigkeiten, sei ein langes Motivationsschreiben nicht zwingend erforderlich. „Hier sind sogar Bewerbungen per WhatsApp möglich.“ Da gehe es vor allem um die Kerndaten der Bewerberinnen und Bewerber und Informationen zu deren Eignung. Also etwa, ob Kandidaten den körperlichen Anforderungen gewachsen sind, welche Erfahrung sie mitbringen und ob sie einen Führerschein haben. Auf Basis dessen gehe das Unternehmen in den weiteren Dialog. dpa