## CONTENT ##
Anzeige
Familie & Leben

Wenn die Natur das Grab schmückt

Wie Angehörige und Freunde im Bestattungswald trauern und gedenken

Ein Grab in einem Bestattungswald kann über die Baumnummer und eine Namenstafel gefunden werden. Foto: djd/Fried-Wald GmbH

17.09.2021

Ein Grab im Wald braucht keine Gestecke oder Kerzen – das Schmücken und die Pflege übernimmt allein die Natur. Das bedeutet: Wildblumen, Pilze, Moose und Farne wachsen, wie es ihnen bestimmt ist. Sie verändern den Bestattungsort im Wechsel der Jahreszeiten immer wieder, und das bunte Laub trägt im Herbst seinen Teil dazu bei. Beim Naturbestattungsanbieter FriedWald hat die Erfahrung gezeigt: Wer seine letzte Ruhe in einem Bestattungswald anstatt auf einem Friedhof finden möchte, der wünscht sich, dass Angehörige und Freunde diesen natürlichen Kreislauf erleben. So können sie in ihrem eigenen Rhythmus trauern, statt zum Setzen von Pflanzen oder zum Gießen des Grabes vorbeizukommen.

Ein Waldspaziergang hilft dabei, zu entspannen und den Erinnerungen freien Lauf zu lassen. Viele Menschen wählen diese Möglichkeit des Gedenkens und legen dabei eine kleine Pause am Andachtsort ein. Zu besonderen Anlässen wie Jubiläen oder Geburtstagen wird schon einmal ein Glas Sekt am Baum des Verstorbenen getrunken oder ein kleines Picknick gemacht.

UMARMUNGEN DURCH DEN BAUM SCHICKEN
  

Viele Hinterbliebene besuchen die Verstorbenen bei einem Spaziergang durch den Wald. Foto: djd/FriedWald GmbH
Viele Hinterbliebene besuchen die Verstorbenen bei einem Spaziergang durch den Wald. Foto: djd/FriedWald GmbH

Bei der Rückkehr nach Hause nehmen Hinterbliebene vielfach ein Blatt, einen Zweig oder eine Frucht des Waldes wie eine Eichel oder Buchecker als Erinnerungsstück mit – und dekorieren damit zum Beispiel ein Bild des geliebten Menschen, der nicht mehr lebt. Auf diese Weise entsteht ein kleiner Ort des Gedenkens auch im eigenen Heim.

Manche nutzen den Baum im Bestattungswald auch als stummen Gesprächspartner, berühren und umarmen ihn oder lesen ihm einen selbst verfassten Brief an den Verstorbenen vor. Kinder finden die Idee, diesem Menschen eine Umarmung durch den Baum zu schicken, oft sehr nachvollziehbar. djd

INFO

Wer die Atmosphäre in einem Friedwald erleben möchte, kann sich unter www.friedwald.de über Standorte und die Möglichkeit von Führungen informieren.

Den Tag X planen

Schon zu Lebzeiten an die Beerdigung denken

Im Vergleich zu anderen Ländern ist der Tod in Deutschland noch ein Tabu-Thema, sagt Barbara Till, Bestatterin in Berlin. Zwar habe sich in den vergangenen Jahren bereits einiges getan und eine gewisse Offenheit etabliert, gleichwohl sei der Tod negativ behaftet. „Man schiebt ihn gerne von sich weg.“ Und das, obwohl er ein ganz wichtiger und fester Bestandteil des Lebens sei.

„Es gibt Menschen, die wollen nicht darüber reden“, sagt auch Pfarrerin Stefanie Schardien. Das könne ganz unterschiedliche Gründe haben. Manchmal stecke die irrationale Furcht dahinter, dass man den Tod herbeirede, wenn man sich mit dem Sterben beschäftige. Für diese Menschen sei die eigene Beerdigung etwas, was dann nur noch die Angehörigen anginge.

Andere machen sich im Vorfeld Gedanken, schreiben auf, was ihnen wichtig ist und wollen ihre Angehörigen dadurch entlasten. Für viele sei es tröstlich, sich damit zu beschäftigen, haben die Expertinnen festgestellt. „Es geht darum, den Gedanken an sich ranzulassen“, erklärt die Pfarrerin aus Fürth.

SPRECHEN ÜBER DEN EIGENEN TOD

Es sei noch nicht angekommen, dass man locker mit Freunden über sein eigenes Ende sprechen könne, unabhängig vom Alter, sagt Anne Kriesel. Sie hat die Online-Plattform Bohana gegründet, und informiert dort über Trauer, alternative Bestattungen und Vorsorgemöglichkeiten. Unter anderem gibt es dort einen Online-Kurs zum Thema Tod, in dem sich die Teilnehmenden mit ihrem eigenen Ende auseinandersetzen können.

Bestatterin Till wiederum hat Vorsorge-Partys ins Leben gerufen. In lockerer Atmosphäre kann jeder mit Freunden oder der Familie über den Tod sprechen. Die Themen sind verschieden: Welche Vollmachten sind sinnvoll, wie kann eine Beerdigung aussehen, welche Rolle spielt Nachhaltigkeit?

Aus Erfahrung weiß Till: „Die wirklichen Dramen entstehen zum Großteil, weil nichts geregelt und vorbereitet ist.“ Etwa weil bei unverheirateten Paaren dann auf einmal die Eltern zuständig sind und essenzielle Dinge entscheiden sollen, obwohl sie vielleicht seit Jahren gar kein enges Verhältnis mehr zu ihrem Kind hatten. „Das wäre zu Lebzeiten ganz einfach verhindert worden, indem man das Totenfürsorgerecht dem Partner oder der Partnerin überträgt“, erläutert Till.

UNUMKEHRBARE ENTSCHEIDUNGEN

Die meisten kümmerten sich vorab um nichts, stellt auch Anne Kriesel fest. Dann säßen die Liebsten bei einem Bestatter oder einer Bestatterin, und wüssten nicht, ob der oder die Angehörige eine Erd- oder Feuerbestattung wollte. „Man muss in diesem Moment Entscheidungen treffen, die nicht mehr umkehrbar sind.“

Kriesel rät zu einem Notfall-Ordner, der den wichtigsten Papierkram enthält: Darunter etwa das Testament, die Sorgerechtsverfügung, eine Betreuungsvollmacht, eine Patientenverfügung, einen Bestattungsvorsorgeplan und eine Bankenvollmacht sowie diverse Kopien.

Checklisten finden Interessierte zum Beispiel bei der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas, dem Verbraucherschutzministerium oder den Verbraucherzentralen.

Doch bei allen Vorabfestlegungen hält Kriesel es für wichtig, den Angehörigen Freiräume zur eigenen Gestaltung zu lassen – und nichts schier Unmögliches zu fordern. Wenn es beispielsweise für die Familie wichtig ist, einen Ort für ihre Trauer zu haben, dann sollte es diese Option geben.

ERINNERUNGEN FÜR ANGEHÖRIGE

Auch Erinnerungen lassen sich vor dem Ableben gestalten. Ob als Schatzkiste oder mit Briefen, den Lieblingsrezepten der Familie, den wichtigsten Büchern oder Stofftieren, am besten versehen mit einer kleinen Notiz. „Etwas ohne Bezug und Geschichte zu behalten, das macht für die Angehörigen keinen Sinn“, sagt Kriesel. Es erhalte jedoch eine Bedeutung, wenn sie wüssten, warum es einem selbst wichtig war.

Es muss natürlich nicht alles perfekt geplant sein. Schardien will hier vor allem den Druck rausnehmen: „Es kann auch eine schöne und würdige Beerdigung sein, wenn niemand etwas vorbereitet hat im Vorfeld.“

Die Beschäftigung mit dem Tod bereichert auch das eigene Leben, darin sind sich die Frauen einig. „Weil man es anders genießt und weiß, wie kostbar es ist“, sagt Till. Im Sterben habe dann jeder die Chance, sich wirklich diesem Prozess zu widmen. Denn der fordere die ganze Kraft. dpa